Fotografie

Wer gerne schreibt, hat einen tief verwurzelten Hang zu Kreativität und ganz allgemein der Content-Produktion. Fürs Töpfern habe ich zwei linke Daumen habe und ich spiele kein Instrument außer der Blockflöte (ein kurioser Zwangskurs in der Grundschule). Da ich aber schon immer begeistert mit Photoshop Nasen verlängerte und Dinosaurier in den Hintergrund von Portraits platzierte, begann ich 2004 einige ernsthafte Experimente mit der Fotografie. Bis dahin rotierte ich zwischen verschiedenen Point-and-Shoot-Kameras (Olympus µ, Canon Ixus, in analogen und später digitalen Varianten), die mäßige Fotoerinnerungen von Familie und Freunden schufen. Mit einer Nikon D70 und einem Mittelklasse-Zoomobjektiv von Tamron wurde dann ein kleiner Traum war: Fotos mit unfassbar hoher Auflösung schießen, und dank RAW-Format noch unfassbareren Freiraum bei der Nachgestaltung haben. Klar, scharf stellen war immer noch notwendig, aber unterbelichtete Bilder nachträglich aufhellen und einen passenderen Ausschnitt wählen zu können, ohne allzu viel Pixel einzubüßen, erweiterte den kreativen Raum. Dass die Freistellfunktionen von Photoshop und Co. in jenen Jahren auch noch intelligenter und bequemer zu bedienen wurden, war ein willkommenes Plus für die Dinosaurierfans in der Familie.

Seitdem habe ich alle charakteristischen Phasen eines Hobbyfotografen durchgemacht. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass der eingebaute Blitz katastrophale Ergebnisse erzeugt. Dass ein separater Blitz oben auf den Blitzschuh mit Diffusor zwar schöneres Licht erzeugt, aber immer noch keine stimmigen Licht/Schatten-Spiele erlaubt. Und dass alle weiteren Anschaffungen, die mit Blitzen zu tun haben (Reflektoren, Fernauslöser, Stative, Softboxes, Tageslichtlampen), deutlich über meinem Kreativbudget liegen. Also fotografiere ich lieber ohne Blitz, aus der lockeren Hand, selbst nachts und im Winter. Dabei landen natürlich nicht viele Photonen auf dem auf maximal 800 ISO eingestellten Sensor meiner in die Jahre gekommenen D300 (Milestone-Jahr 2008). Aber gelegentlich habe ich Glück und finde zwischen dem X-Tastendrücken-Aussortieren in Lightroom einen “Lucky Shot”. Einige dieser Bilder befinden sich auf dieser Webseite. Und von wegen “Glück”. Selbstverständlich entstanden sie ausnahmslos durch Aufstehen um 3 Uhr morgens, akribisch genaue Berechnungen von Brennweiten und Belichtungszeiten, und stundenlanges Warten auf genau den richtigen Augenblick (im Regen), wenn das Motiv von der perfekten Sonnen- und Mondlichtkombination getroffen wird, die nur alle 15 Jahre zur Sonnenwende eintritt. Und zwar wenn alle Planeten unseres Sonnensystems in einer Linie stehen.

All diese Mühen wissen die Mitglieder des Fotografie-Vereins Pankroma Fotoecke zu schätzen, bei dem ich seit 2015 Mitglied bin. Hier badet man sich im See der Selbst- und Fremdreflektionen, mit all den Motiven, die im Laufe der Zeit ihren Weg (so gnadenlos Tron-like) auf die externe Fotofestplatte gefunden haben. Hoffentlich mit Backup. Oder wenigstens mit RAID-1-Sicherung. (Lasst den Sorglosen Stefan ein Beispiel sein, dem durch einen Festplattencrash 5.000 Petabyte an Fotomaterial verloren gingen, und die er nun mühsam Bit für Bit aus dem Datenmüll rekonstruiert.) Und wird gerade nicht mit lautstarken und/oder kontroversen Meinungen reflektiert, dann wird abgelichtet. Bei Studioexperimenten, Fotowalks oder im Rahmen des regelmäßigen Vereinstreffens mit den fatalen Worten “Ich hab ne Idee, halt mal mein Bier”. Ich kann die Mitgliedschaft in solch einer Community jedem ans Herz legen, der müde geworden ist, Tomaten und Zucchini auf der Küchenanrichte mit dem eingebauten Blitz zu fotografieren. (Hier geht’s übrigens zur Vereinsseite, falls sich jemand für die eine oder andere Ausstellung in Berlin interessiert - ich gebe dann Bescheid, wenn ich meine erste Vernissage habe. http://www.pankroma.de)